Saumgasse 62

From Baugeschichte

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47° 5' 46.97" N, 15° 26' 33.72" E


Landhaus Klabinus/Harl (auch "Villa Micori genannt)

Das Grundstück gehörte einst zur Herrschaft Grabenhofen, 1838 wird als Besitzer Alois Zuser genannt. Er hatte von seinem Vater Lorenz eine Keusche am „Rosenberg von Maria-Schnee hinauf“ geerbt und betrieb als Gastwirt seit dem 1. Mai 1828 das gut besuchte Gasthaus „Zur weißen Frau“ (der Name wurde nach einer damals in der Stadt sehr beliebten Oper gewählt). Das Lokal (heute wäre es Zusertalgasse 69) war beliebtes Ziel von Spaziergängern „in das liebliche Zusertal“. Gustav Schreiner schreibt 1843 in seinem Buch „Grätz“: „das Zusertal – ein Kesseltal, dessen sanft ansteigendes Gelände mit zahlreichen Pfirsich-, Mandel-, Aprikosen-, Kirsch- und anderen Obstbäumen besetzt ist, die ihm zur Zeit der Baumblüte einen unbeschreiblichen Reiz verleihen.“

Die neue Häuserbeschreibung von 1870 wählte dann für die steile Gasse den bereits vertraut gewordenen Namen „Zusertalgasse“.

Alois Zuser zog sich nach dem Verkaufe des väterlichen Besitzes in ein benachbartes Häuschen auf dem Rücken des Rosenberges zurück, das er schon früher erworben hatte und in dem er 1844 sein Leben beschloss.

Seine Witwe verkaufte auch dieses Haus bald darauf an den Grazer Tuchhändler Martin Viktor Klabinus, der sein Geschäftslokal an der Ecke Albrechtsgasse – Neutorgasse hatte (später Wakonig). Klabinus ließ das schöne spätbiedermeierliche Landhaus 1849 nach Entwurf von Ludwig Förster von Georg Lindner erbauen. Es war aber nur als Sommer-Residenz gedacht und daher ursprünglich ohne Heizung. 1927 befand sich das Haus in Händen seiner Enkelin, Frau Maria Keller, später der Familie Harl.

Der Sohn des Tuchhändlers, Dr. Fritz Klabinus, Direktorstellvertreter der Steiermärkischen Sparkasse und wohnhaft in der Hochsteingasse 118, wirkte während der kriegsbedingten Abwesenheit von Dr. Robert Meeraus von 1940 bis 1945 ehrenamtlich als Kustos des 1939 erstmals im Palais Attems eingerichteten neuen Stadtmuseums.

Straßenseitig ist die Fassade schlicht, das rechteckige Eingangstor in einem hervortretenden Mittelrisalit, gartenseitig zeichnet es sich durch eine schöne dreibogige Loggia aus (Abb.). Das Obergeschoß hat im Inneren ein Kachelofen aus der Bauzeit.

Aus der Sicht von SOKO Altstadt wäre das Gebäude denkmalwürdig.

Quellen: Schreiner, Grätz; Luschin-Ebengreuth, Rosenberg; Pirchegger, Häuserbuch; ÖKT 2017; N. Arlt, Familienchronik

comments

Dieser Artikel wurde aufgrund einer Anfrage von Vojo Radkovic ("Der Grazer") gestaltet. Durch Zufall wurde nun am 10.11.2023 erkannt, dass die Fa. Demolit das Haus betritt, nach Auskunft, um die Eternitziegel des Daches zu entfernen.

Das offen stehende Gebäude wurde daher besichtigt. Es zeigte sich eine Etage mit einem großen Mittelsaal, der auf die Loggia führt. Dieser Raum besitzt ebenso wie der östliche größere Seitenraum einen wunderschönen Kachelofen, der aus der Erbauungszeit stammen dürfte. Der westliche Nebenraum ist ohne Ofen. Die Böden der größeren Räume sind Schiffsböden, der Hauptraum Parkett. Das Dachgeschoß ist nicht ausgebaut, der Dachstuhl scheint in Ordnung - aber nicht mehr lang, wenn jetzt der Regen sein Zerstörungswerk beginnen wird. Das umgehend verständigte Landeskonservatorat Steiermark zeigte sich irritiert von der Meldung, weil - nachdem ich am 3.11.2023 das Denkmalamt per E-Mail um Prüfung der gefährdeten Villa ersucht hatte - mit dem Hauseigentümer eine Besichtigung vereinbart war. Dieser hat offenbar sofort reagiert und die Zerstörung des Bauwerks in Auftrag gegeben, um "vollendete Tatsachen" zu schaffen. Laukhardt (Diskussion) 16:42, 10. Nov. 2023 (CET)

Kurz nach diesen Mitteilungen bekamen wir die ersten Fotos vom begonnen Abriss. Es meldeten sich auch die Vorbesitzer und bestätigten die Aussagen von Nachbarn, wonach der Käufer glaubhaft versichert hatte, das Haus "denkmalgerecht" zu sanieren, weil er es selbst bewohnen wollte.

Zum 19.11.2023 sind wesentliche Teile der Villa noch stehen geblieben, sodass schon Hoffnung aufkeimte, das Denkmalamt habe den Abbruch gestoppt. Jedenfalls sind aber die beiden schönen Keramiköfen - lt. Aussage der Vorbesitzerin im österr. Verzeichnis genannt - offenbar "zerdeppert" worden.

Die Sache wurde am 19.11.2023 in der Gratiszeischrift "Der Grazer" gebracht hat. Leider ist nicht darüber berichtet worden, wie die Vorbesitzer-Familie und auch das Denkmalamt hinters Licht geführt worden - damit ist der Name eines bekannten Grazer Baumeisters wohl schwer in Einklang zu bringen.

Dennoch sollte der traurige Anlass genommen werden, die Zuständigen in Bund, Land und Stadt wieder einmal aufzuwecken. Sowohl Denkmalgesetz, als auch das noch nur diskutierte neue Steiermärkische Ortsbildschutzgesetz, und schließlich die Ausformung beispielsweise des Räumlichen Leitbilds der Stadt Graz sind ungeeignet, das Grazer Bauerbe zu retten. Die im "Grazer" genannten Vorbilder Tirol und Salzburg wurden ja von Altstadtanwalt Dr. Stolz als Beispiel empfohlen.

Es ist m. E. auch zu wenig, wenn Präsident Bazil in der Zeitschrift "Steine sprechen" die Mängel des Denkmalgesetzes arg kritisiert, es aber keine Initiative gibt, das zu ändern.

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references

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