Ursprungweg 70

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Österreich » Steiermark » Graz » 8045

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47° 6' 47.88" N, 15° 25' 33.96" E


Schloss Oberandritz

Zur Geschichte (u.a Pirchegger; nach Allmer, 750 Jahre St. Veit; Rucker, Stadecker; Stehlik, Stattegg):

Während der Römerzeit dürfte aus dem gut besiedelten Grazer Gebiet ein wichtiger Weg über den Lebersattel (Leber = Grabhügel) nach Passail und Semriach (Römergrab) geführt haben. An der engsten Stelle des Stattegger Tales (beim Huberwirt) könnte auf einem der beiderseits anstehenden Kalkfels ein Wachtturm gestanden sein, an dessen Stelle im Mittelalter die kleine Burg Stadeck entstand. Wahrscheinlich führte an dieser Warte ein steiler Weg durch den Falschgraben (auch Wallischgraben, von Walch, Walsch = Römer) nach Kalkleiten, weiter zu einem möglichen Wachtturm bei der späteren Burg Ehrenfels und schließlich Richtung Schöckl-Kreuz (Römerweg). Die Sage weiß sogar von einer Römerstadt zu berichten, die sich vom Huberwirt in Stattegg bis zur Leber ausgedehnt haben soll. Ein anderer, noch heute als "Römerweg" bezeichneter Weg, ging vom Fuß der Leber über den Pogenstein und den "Alt-Burgstaller"-Sattel auf der Rannach nach Gratkorn. Die Stürme der Völkerwanderung vernichteten die römische Kultur in unseren Gegenden bis auf geringe Spuren. Im Jahre 488 befahl der in Italien regierende Germanenfürst Odoaker den Rückzug der romanische Bevölkerung.

Sich vor den Awaren zurückziehende Slawenstämme sind um 600 in das menschenleere Gebiet nachgerückt, wie Orts- und Flurnamen bezeugen: Andritz (jendrica = schnell fließender Bach = Andritzbach), Gabriach (gabrovje = Weißbuchenwals), Weinitzen (vinica = Weingarten). Die bajuwarische Besiedlung setzte erst ein, nachdem sich das Slawenherzogtum Karantanien nach 743 dem bairischen Herzog Odilo unterwerfen musste, den sie gegen die Awaren zu Hilfe gerufen hatten. Nach niedergeschlagenen Slawen-Aufständen gegen die bairische Oberhoheit kam es ab 828 zu einer starken Kolonisations- und Christianisierungswelle. Ein dem slawischen Lichtgott Svantevid oder Sventovid geweihtes Heiligtum wurde vermutlich durch Umwandlung in Sveti Vid zur Grundlage der heutigen Kirche St. Veit. Die heidnischen Slawen verehrten ihren Lichtgott an sonnigen Orten, den Schwarzgott aber an schattigen. Die christlichen Missionar bezeichneten nun die Kultstätten für den Lichtgott auf der Rannach (Hochfläche beim Geierkogel-Wirtshaus) und auf dem Hohenberg mit „Himmelreich“, die für den Schwarzgott in den Gräben von Stattegg und Freßnitz als „Höll“. Auch auf dem Felsrücken des Jungfernsprunges gab es vermutlich eine Kultstätte für den Schwarzgott. Der Name kommt wohl vom slawischen „deva“, was sowohl Dämon oder Teufel, aber auch Jungfrau bedeutet. Vielleicht haben die christlichen Sendboten dort das Abbild des Schwarzgottes in die Tiefe gestürzt.

Nach dem Untergang der gesamten bairischen Streitmacht in der Schlacht bei Preßburg 907 wurde die Oststeiermark zum Grenzgebiet gegen das Reitervolk der Magyaren. Die bairisch-slawische Mischbevölkerung schützte sich gegen deren Einfälle durch kleine Befestigungen, die nach der örtlichen Überlieferung auf der Rannach, auf der Leber, im Umfeld von Buch (Burg!), am Zösen- und am Gsöllberg gelegen waren. Purg am Hart (westlich vom ehem. Gasthaus Zu den drei Linden), Purgeck (am Krailkogel) und am Purgstall auf der Rannach, Pircheck auf der Leber und die noch erkennbaren Wehranlagen am Gsöllberg und auf dem Niklbauernkogel in der Ainöd erinnern an sie. Die ebenfalls noch gut erkennbare ältere mehrfache Wallanlage auf dem Reinerkogel könnte ebenfalls dazugehören.

Nach der Rückeroberung der Oststeiermark nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 wurde das Gebiet vom König an verdiente Geschlechter geschenkt oder verlehnt. Im Mittelalter dürfte sich der Raum mit der Burg Stadeck als Herrschaftsmittelpunkt im Eigentum einer hochfreien Familie befunden haben. Als Erbauer der Burg wird der Aribone Hartnid von Ort (Hernidus de Orte, 1147 genannt) angenommen. Lange befand sich dann das Gebiet im Besitz der mit den Stubenbergern verwandten Stadecker, die zu den bedeutendsten Ministerialen (Gefolgsleuten) des Landesherren zählten; mit Hans von Stadeck hatten sie sogar einen Landeshauptmann der Steiermark gestellt. 1197 wird zum ersten Mal ein Rudolf von „Stadech“ genannt. Sein Nachkomme, Rudolf II. von Stadeck ist als Verfasser von Minneliedern um 1260 in die Kunstgeschichte eingegangen. Schon das von König Ottokar II. in Auftrag gegebene Rationarium Styriae nennt 1265 "Endritz superior et inferior". Urkundliche Hinweise aus dem Mittelalter nennen hier schon sechs Huben, die zu einem Gutshof gehörten, dessen Besitz später in das neue Herrschaftszentrum der Stadecker aufgegangen ist, denn 1268/1269 werden schon die Siedlung genannt, die an das Marschallamt 4 Schaff Hafer abzuliefern hatte: "De inferiori Endritz vj staf Et domina ibidem indebite recipit iij staf, De superiori Endritz 4". Vermutlich war das der Vorgänger des heutigen "Schlosses". Ein dazugehöriger Meierhof könnte der "Bockschuster-Hof", Weinitzenstraße 4 gewesen sein, der 1572 allerdings den Windischgrätz zu Waldstein zinste.

Die männliche Linie der Stadecker erlosch um 1400; die Burg wird damals bereits als "öde" bezeichnet. Nun kam der Besitz an die verwandten Grafen von Montfort, welche die noch nicht lokalisierte, 1403 genannte „veste Enndritz“ mit dem Niederhof (Unterandritz) innegehabt haben. Da die Feste noch 1436 dem Grafen Stephan von Montfort vom Erzbischof verliehen wird, dürfte sie ein Salzburger Lehen gewesen sein. Auf das 1410 angelegte Urbar der neuen Herren stützen sich die meisten historischen Angaben zur Besitzgeschichte. Der Besitz war nicht geschlossen, dazwischen gab es Holden der Dominikanerinnen, der Kirche St. Veit, des Windischgrätzers (in Andritz), des Dietlein (in Ober-Andritz und Weizbach), sie entrichteten aber das Vogthuhn nach Stadeck, womit sie deren Vertretungsrecht bestätigten. Als sich die Montforter nach Vorarlberg zurückzogen, kam der Besitz 1547 an den Landesfürsten, der ihn mit seiner Herrschaft Gösting vereinigte.

Auf einer Umgebungskarte von Graz aus 1870 ist an dieser Stelle eine "Villa Smolle" eingezeichnet - vielleicht des Uhrmachers Josef Smolle aus der Grazer Herrengasse? 1892 schreibt Hans von der Sann (eigentlich Johann Kainz) in seinem Buch "Andritz und Umgebung" über den Ansitz folgendes: "Von den Gebäuden in Ober-Andritz verdient die Villa MÜLLER genannt zu werden. Diese ist Eigentum des Gutsbesitzers und Gewerken Herrn THEODOR MÜLLER, eines Mannes von seltenen Herzenseigenschaften, der ein warmer Freund der Schule und der Jugend, wie auch ein großer Wohltäter der Armen ist und sich der allgemeinen Liebe und Verehrung bei der Bevölkerung erfreut, Die Villa, im Schweizerstile gebaut, zeigt in ihrer inneren prächtigen Ausstattung den feinen Geschmack und Kunstsinn des Besitzers, und ist von einem großen, schönen, mit Statuen, Blumenbosketts- und Baumgruppen gezierten Lustgarten umgeben. Zur Villa Müller gehört auch noch der Strasserhof, einst ein ländlicher, nun in ein schmuckes Landhaus umgestalteter Bau." Der tschechische Historiker Michal Schuster weiß 2016 zu berichten: Theodor Müller (1828-1898) hat 1875-90 die mährische Herrschaft Borotin besessen, vor 1862 den Großgrundbesitz Oberandritz gekauft, auf dem er von 1891 bis zu seinem Tod 1898 gelebt hat. Er ist in einer Gruft in St. Veit begraben. Müller war in den 1870er Jahren mit dem Orden vom Heiligen Grab ausgezeichnet worden. Der Naturforschenden Verein in Brünn gedachte 1900 seines verstorbenen Mitglieds. Über einen weiteren Besitzer erfahren wir: Dr. Franz Georg Strafella, zeitweilig Vizebürgermeister von Graz, geboren 1891 in Pettau, baute auf dem Familiensitz, Schloss Oberandritz, eine kleine Destillerie auf. Während des Dritten Reiches im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, baute er nach 1945 die Oberandritzer Destillerie in kürzester Zeit zu einem industriellen Unternehmen aus, das weit über 100 Produkte erzeugte und sich bald auch in der Fruchtsaftproduktion erfolgreich engagierte.

Heute ist das mehrmals umgebaute Schloss Ober-Andritz im Besitz der Industriellen-Familie König aus Andritz.

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