Wagnesweg 7b

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47° 5' 55.64" N, 15° 28' 37.85" E


Ehem. Rettenbach-Mühle (von 1403?)

Am 8. September 1855 reichte Michael Gratzer, Nagelschmiedmeister in Geidorf, beim k. k. Bezirksamt Umgebung Graz den genauen Niveau- und Bauplan für eine Drahtstiftenwerkstatt ein, siehe Mariatroster Straße 136. Die beiden Mühlenbesitzer Georg Sauseng (Rettenbachmühle) und Josef Viellechner (Königsmühle) versuchten, gemeinsam gegen das Projekt des Michael Gratzer vorzugehen. Vor allem beriefen sie sich auf eine Verordnung, welche untersagte, im Umkreis von 1 ½ Meilen einer bestehenden Mühle ein weiteres Wasserwerk errichten zu dürfen. Nach Angabe des Georg Sauseng war seine Mühle im Jahre 1403 erbaut worden und „hat bis in die neuesten Zeiten ungestört das Wasser des Rettenbaches zu dieser Mülle benützet“. (nach Gernot Fournier, "Mariatrost", 74).

An der Straßenseite gegenüber dem ehemaligen Hans-Mauracher-Museum, Nr. 29, sind heute noch Mauerreste des Mühlganges zu sehen. Dieser künstliche Wasserlauf ist im Gelände noch erkennbar, längst aber aufgefüllt. Auf einer GIS-Karte kann man aber noch sehen, dass er rund 600 m weiter aufwärts bei der Teichhofstraße vom Mariatrosterbach abzweigte. Die Mühle wurde bei Bedarf auch von einem heute noch vorhandenen, allerdings jetzt verkleinerten Mühlteich versorgt, der später auch als Löschteich diente. Dieser Teich, sowie auch der Teich in der Kern-Haus-Siedlung wurde aus einem Gerinne gespeist, welches im Raum Häuserl im Wald entspringt.

Am Gebäude der Rettenbach-Mühle war der Radkasten der Mühle vor einigen Jahrzehnten noch erhalten, vor der Sanierung war ein Stück der Radwelle sichtbar; der Einlauf ist noch gut lokalisierbar, der Abfluss zum Bach ist unterirdisch verlegt.

Wie lang die Mühle in Betrieb war, kann noch nicht gesagt werden; die Karte der Landesaufnahme von 1870 zeigt hier jedenfalls kein Mühlrad mehr an.

(u.a. nach Karl Niederl, Mariatroster Bote, Juli 1991, 19)

Dass der Komplex der historischen Rettenbachmühle bewahrt wurde, ist zwei Männern zu verdanken, die das Objekt 2006 kauften und es verstanden, Fördermitteln (umfassende Sanierung) richtig einzusetzen. Das Gebäude war sehr heruntergekommen und von Gutachtern nur mehr als Abbruch gesehen und ständig von Überflutungen bedroht. Trotz seines schlechten Zustandes strahlte das Objekt einen gewissen Charme aus, und so wurde entgegen dem Rat vieler die technische und finanzielle Herausforderung der Sanierung angenommen. Die eingerichteten Wohnungen strahlen heute den Charme alter Bauten auf, so sind z.B. noch sanierte alte Holzbalkendecken zu bewundern.

Einige Jahre nach der Revitalisierung der Gebäude wurde auch die von dem am Mühlbach ansässig gewesenen Bildhauer Hans Mauracher 1946 geschaffene Madonna an der Straße vor dem Mühle restauriert; sie war als Dank für den Abzug der russischen Besatzer im Juli 1945 gedacht.

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